Erste Eindrücke
Der 900Global Zen/U präsentiert sich optisch in einem schlichten, aber autoritären "Jet Black", das sofort seine Bestimmung als kontrollorientiertes Werkzeug auf der Bahn signalisiert. Bereits beim ersten Griff in den Ball fällt die matte Oberfläche auf, die ab Werk mit einem 1000-Grit Abralon-Finish versehen ist, was eine extrem frühe Traktion verspricht. Technisch bricht der Zen/U mit der Tradition der bisherigen Zen-Serie, indem er den bewährten Meditate-Kern modifiziert. Zum Einsatz kommt der "Meditate LD" (Low Density) Kern. Durch die geringere Dichte wurde das RG auf 2.56 (bei 15 lbs) angehoben und das Differential auf 0.027 gesenkt. Diese Anpassung soll verhindern, dass der Ball zu früh "brennt", während er dennoch den typisch großen "Footprint" des Meditate-Kerns beibehält. Umhüllt wird dieser Kern vom S35 Urethane+ Solid Coverstock. Hierbei handelt es sich nicht um traditionelles Urethan der alten Schule, sondern um eine moderne Weiterentwicklung, die darauf ausgelegt ist, die Lücke zwischen klassischem Urethan und Reaktiv-Bällen zu schließen. Der Ball suggeriert schon vor dem ersten Wurf, dass er Hook früher generieren, aber im Gegensatz zu reinem Urethan mehr Energie durch die Pins behalten könnte.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zu Marktführern im Urethan-Sektor zeigt der Zen/U eine differenzierte Charakteristik. Während ein Ball wie der Pitch Black von Storm oft sehr früh liest und eine extrem sanfte, fast schon faule Bewegung im Backend zeigt, dürfte der Zen/U durch die "Urethane+" Mischung eine spurtreuere Phase in der Front bieten, bevor er in der Transition eine deutlichere Bewegung macht. Er sollte sich im Vergleich zum Purple Hammer von Hammer etwas runder und kontrollierter verhalten, wobei er nicht ganz die aggressive Backend-Bewegung des Purple Hammer erreicht, jedoch mehr Carry-Potenzial besitzt als der Pitch Black. Gegenüber dem UC3 von Roto Grip, der ebenfalls als Hybrid-Lösung gilt, wirkt der Zen/U in seiner Reaktion noch näher am "echten" Urethan-Gefühl, da er weniger sensibel auf trockene Leisten am Backend reagiert. Man könnte sagen, dass der Zen/U dort ansetzt, wo der Pitch Black an Grenzen stößt: Wenn der Pitch Black die Gasse nicht mehr kraftvoll genug trifft oder zu wenig Winkel generiert, soll der Zen/U genau das Quäntchen mehr Hook und Einschlagskraft liefern, ohne die Kontrolle zu opfern, die man von dieser Ballkategorie erwartet.
Praktische Anwendung
Das ideale Einsatzszenario für den 900Global Zen/U liegt vornehmlich auf kürzeren Ölmustern oder auf Bahnen, die eine extrem "nasse/trockene" (wet/dry) Charakteristik aufweisen. Für Spieler mit hoher Rev-Rate, die auf frischen Hausmustern oft Probleme mit überreagierenden Reaktiv-Bällen haben, könnte dieser Ball eine Wunderwaffe sein, um die Gasse kontrolliert zu öffnen. Er sollte es ermöglichen, den Ball weiter rechts (für Rechtshänder) zu halten und die Reibung (Friction) direkt zu nutzen, ohne ein unvorhersehbares Übersteuern befürchten zu müssen. Auch wenn die Bahn in die Transition übergeht und das Öl "carry down" erfährt, dürfte der Zen/U länger spielbar bleiben als klassisches Urethan, da der Kern und die moderne Schale mehr Flair-Potenzial besitzen und somit frisches Material an die Bahnoberfläche bringen. Er ist weniger geeignet für sehr langes Öl oder tiefes Spiel durch das Öl, da ihm hierfür die nötige Aggressivität im Backend fehlt. Zusammenfassend ist der Zen/U primär ein Problemlöser für Kontrolle auf schwierigen, unruhigen oder kurzen Mustern, bei denen Reaktiv-Bälle zu unberechenbar wären.