Erste Eindrücke
Der Visionary Violet Gargoyle, der im Juli 2004 veröffentlicht wurde, ist ein Bowlingball, der sich optisch und technisch von vielen anderen Modellen seiner Zeit abhebt. Das Cover besteht aus dem Gargoyle Solid, einem reaktiven Solid-Material, das ab Werk mit einer 1500er Politur versehen ist. Eine optische Besonderheit dieses Covers ist das sogenannte Phazing, bei dem hellere oder weiße Flecken und Streifen auf der violetten Oberfläche auftreten können. Dies ist laut Hersteller ein rein kosmetischer Effekt, der oft durch leichte Temperaturschwankungen hervorgerufen wird und keinerlei negative Auswirkungen auf die Leistung auf der Bahn hat. Im Inneren des Balls arbeitet der symmetrische Gargoyle Kern. Bei einem Ballgewicht von 15 Pfund weist dieser Kern einen RG-Wert von 2.580 und ein moderates Differential von 0.038 auf. Der verhältnismäßig hohe RG-Wert signalisiert, dass der Kern erst spät auf Touren kommt und der Ball dazu tendiert, die Front der Bahn sehr leicht zu durchqueren. Das mittlere Differential sorgt für ein gut kontrollierbares Flare-Potenzial, was den Ball davor bewahren soll, unberechenbar zu überreagieren.
Vergleichsanalyse
Zieht man den modernen Storm Phaze II als Referenz heran, zeigen sich deutliche konzeptionelle Unterschiede, obwohl beide Bälle prinzipiell ein Solid Cover verwenden. Der Storm Phaze II nutzt eine stark angeraute Oberfläche in Kombination mit einem Kern, der einen sehr niedrigen RG-Wert und ein hohes Differential aufweist. Diese Konstruktion zielt auf eine sehr frühe Traktion im Öl und eine stark abgerundete, gleichmäßige und kraftvolle Bewegung ab. Der Visionary Violet Gargoyle verhält sich hier trotz seines Solid-Materials fundamental anders. Durch die polierte Oberfläche und den hohen RG-Wert gleitet er wesentlich müheloser durch die ersten Leisten und bewahrt seine kinetische Energie deutlich länger auf. Trifft er im letzten Drittel der Bahn schließlich auf Friction, erzeugt er eine sehr viel eckigere und aggressivere Bewegung am Breakpoint als der eher gutmütige Storm Phaze II. Vergleicht man ihn markenintern mit dem Visionary Green Gargoyle, der ein Pearl Cover nutzt, offenbart der Violet Gargoyle seine spezifische Stärke. Während der Pearl-Ball auf minimal mehr Öl manchmal zu lang rutscht, liest das Solid Cover des Violet Gargoyle die Bahn einen Hauch früher, behält aber den starken und scharfen Hook am Ende der Bahn bei.
Praktische Anwendung
In der praktischen Anwendung ist der Visionary Violet Gargoyle primär als vielseitiger Benchmark-Ball für mittlere Bahnbedingungen konzipiert. Er findet sein absolut ideales Einsatzgebiet auf typischen Hausmustern, bei denen eine ausgewogene Balance aus guter Länge und definierter Backend-Reaktion gefordert ist. Wenn im Laufe eines längeren Turniers die Transition einsetzt und Bälle mit mattem Finish beginnen, ihre Energie zu früh in der Front zu verbrennen, bietet die polierte Oberfläche des Violet Gargoyle eine exzellente taktische Lösung. Sie hilft dem Spieler, die Gasse weiterhin konstant und sicher zu erreichen, während das Solid-Material im Cover gleichzeitig dafür sorgen soll, dass der Ball nicht unvermittelt über den Breakpoint hinausgleitet. Dies soll einen sehr verlässlichen und beständigen Carry generieren. Der Ball eignet sich hervorragend für verschiedenste Spielertypen, da er aufgrund des moderaten Differentials weder eine zu sprunghafte noch eine zu schwache Reaktion zeigt. Spieler mit einer geringeren Ballgeschwindigkeit profitieren von der eingebauten Länge des hohen RG-Wertes, während Spieler mit vielen Umdrehungen die enorme Vorhersehbarkeit des symmetrischen Kerns schätzen werden. Sollte das 1500er Polish auf frisch geölten Bahnen dennoch zu wenig Grip bieten, lässt sich das Cover problemlos mit Schleifpads anrauen, um mehr frühzeitige Traktion zu erzeugen.