Erste Eindrücke
Der im Jahr 1992 erschienene AMF Victory markiert den Versuch von AMF, die bewährte Urethan-Technologie in die neue Ära der Reaktiv-Bälle zu retten. Während Modelle wie der Ninja bereits mit neuen Harz-Mischungen experimentierten, war der Victory als verlässlicher, robuster Performance-Ball für Spieler konzipiert, die der radikalen Veränderung noch skeptisch gegenüberstanden. Optisch präsentiert er sich meist in einem soliden, dunklen Navy-Blau oder Schwarz. Technisch nutzt er eine hochverdichtete Urethan-Schale, die werksseitig oft mit einem feinen Schliff (Sanded) versehen war. Im Inneren arbeitet ein modifizierter Gewichtsblock, der über den simplen Pancake-Kern hinausgeht und dem Ball ein mittleres RG sowie ein stabiles Differential verleiht. Dies sorgt für eine sehr gleichmäßige, bogenförmige Reaktion über die gesamte Bahnlänge.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum AMF Black Ninja, der im selben Zeitraum die Bahnen dominierte, wirkt der Victory fast schon "altmodisch" – aber auf eine gute Weise. Während der Ninja durch die Reaktiv-Schale im Backend oft unvorhersehbar "snappte", bot der Victory die Sicherheit des Urethans: Er liest die Bahn früher und zeigt eine extrem lineare Bewegung. Er ist der "Sicherheits-Ball" gegenüber dem "Risiko-Ball" Ninja. Vergleicht man ihn mit dem klassischen AMF Black Cobra, so bietet der Victory durch den weiterentwickelten Kern etwas mehr Backend-Motion und eine verbesserte Pin-Action (Carry). In der Konkurrenzlandschaft von 1992 war er der direkte Rivale zum legendären Blue Hammer – beide Bälle waren die letzten großen Krieger des reinen Urethans, bevor Reactive Resin den Markt endgültig übernahm.
Praktische Anwendung
Heutzutage ist der AMF Victory ein absoluter Geheimtipp für "Short Oil" Sportmuster oder extrem trockene Hausbahnen. Da moderne Urethan-Bälle oft sehr aggressiv in der Midlane reagieren, bietet der Victory durch sein Alter und die spezifische Porenstruktur eine etwas "milder" wirkende Traktion. Er ist ideal für Spieler, die eine sehr kontrollierte, kleine Kurve spielen wollen, ohne dass der Ball bei Trockenheit "durch die Nase" geht. Er verzeiht kleine Fehler in der Rotationsgeschwindigkeit und hält die Linie mit stoischer Gelassenheit. Zudem eignet er sich hervorragend als hochwertiger Spare-Ball für Spieler, die auf Polyester verzichten wollen, aber bei Eckpins absolute Verlässlichkeit suchen. Auf schwerem Öl (Heavy Oil) ist er jedoch hoffnungslos überfordert und würde schlicht geradeaus rutschen.