Erste Eindrücke
Der im Februar 2024 veröffentlichte Brunswick Ultimate Defender präsentiert sich als eine technologische Weiterentwicklung innerhalb der beliebten Defender-Serie, die darauf abzielt, Griffigkeit mit einer verbesserten Backend-Reaktion zu kombinieren. Rein optisch fällt der Ball durch seine matte Oberflächenbearbeitung auf, die ab Werk mit einem 500/2000 Siaair Micro Pad Finish versehen ist. Diese raue Textur deutet bereits vor dem ersten Wurf darauf hin, dass dieser Bowlingball für ein frühes Lesen der Bahn konzipiert wurde. Im Herzen des Balls arbeitet der bewährte Portal X Kern, ein asymmetrisches Design, das für seine starken Drehmomenteigenschaften bekannt ist. Bei einem Gewicht von 15 Pfund weist der Kern einen niedrigen RG-Wert von 2.473 und ein hohes Differential von 0.054 auf, ergänzt durch ein starkes intermediäres Differential von 0.015. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Ball ist physikalisch darauf ausgelegt, schnell in Rotation zu geraten und ein massives Flare-Potenzial auf der Bahn zu entwickeln. Das entscheidende Merkmal des Ultimate Defender ist jedoch die Kombination dieses Kerns mit der HK22 - A.C.T. 3.0 Hybrid Oberfläche. Brunswick setzt hier erneut auf die HyperKinetic22 Basistechnologie, die für eine reinere Farbwiedergabe und, wichtiger noch, für eine dynamischere Reaktion auf Friction steht. Durch die Verwendung der A.C.T. 3.0 (Active Coverstock Technology) in einer Hybrid-Variante versucht der Hersteller, die Lücke zwischen einem traditionellen Solid-Cover, das oft sehr früh rollt, und einem Pearl-Cover, das Länge generiert, zu schließen. Trotz der Bezeichnung "Hybrid" sorgt das stumpfe Oberflächenfinish dafür, dass der Ball eher die Charakteristik eines starken Solids aufweist, jedoch durch den HK22-Zusatz im hinteren Teil der Bahn weniger Energie verlieren dürfte als klassische, matte Bälle.
Vergleichsanalyse
Ordnet man den Brunswick Ultimate Defender in das aktuelle Marktgefüge ein, so positioniert er sich im Segment der "High Performance" Bälle für ölreiche Bedingungen. Im direkten Vergleich zum ursprünglichen Defender Solid von Brunswick zeigt sich der Ultimate Defender durch die HK22-Basis vermutlich etwas reaktionsfreudiger am Ende des Bohrmusters, ohne dabei die nötige Traktion im Öl zu opfern. Während der Defender Hybrid mit seiner polierten Oberfläche für spätere Spieleinheiten und mehr Länge gedacht war, agiert der Ultimate Defender deutlich früher und aggressiver. Er dient somit als Bindeglied, das die Traktion des Originals mit der Continuation der HK22-Technologie verknüpft. Zieht man Produkte anderer Hersteller zur Einordnung heran, lässt sich der Ultimate Defender technisch in die Nähe des Harsh Reality von 900 Global oder des Extreme Envy von Hammer einordnen. Beide Vergleichsmodelle zielen ebenfalls auf schwere Ölmuster ab. Im Gegensatz zu extrem früh rollenden "Schneepflügen" wie dem Gem von Roto Grip, die manchmal dazu neigen, im Backend "auszubrennen", ist das Designziel des Ultimate Defender, durch die Hybrid-Schale genügend Energie für den Durchlauf durch die Pins zu bewahren. Er konkurriert direkt mit Bällen, die als erste Wahl aus der Tasche geholt werden, wenn die Bahnen frisch abgezogen sind. Ein weiterer interessanter Vergleichspunkt wäre der Mindset von Brunswick, wobei der Ultimate Defender durch den Portal X Kern eine etwas rundere, aber dennoch kraftvolle Bewegungform im Vergleich zur oft sehr eckigen Bewegung anderer asymmetrischer Bälle anstreben dürfte.
Praktische Anwendung
Die idealen Einsatzszenarien für den Brunswick Ultimate Defender finden sich vornehmlich auf "Heavy Oil" Bedingungen oder langen Ölmustern. Durch das 2000er Finish und den niedrig-RG Kern benötigt der Ball viel Öl in der Front, um nicht zu früh Energie zu verlieren. Für Spieler mit hoher Geschwindigkeit, die oft Schwierigkeiten haben, dass der Ball auf rutschigen Bahnen rechtzeitig anläuft, könnte dieser Ball eine hervorragende Lösung darstellen. Die raue Oberfläche hilft dabei, die Gasse kontrolliert zu erreichen, indem sie das Rutschen im Öl minimiert. Wenn der Ball auf Friction trifft, soll die HK22-Technologie dafür sorgen, dass der Richtungswechsel nicht träge, sondern definiert erfolgt. Spieler, die gerne tiefere Winkel spielen und den Ball über viele Leisten laufen lassen, könnten von der Hybrid-Mischung profitieren, da diese theoretisch verhindern sollte, dass der Ball zu flach in die Gasse einschlägt, wie es bei reinen Solids auf abgespielten Bahnen vorkommen kann. Dennoch ist der Ultimate Defender primär ein Ball für den Start eines Turniers oder Ligaspiels auf frischem Öl. Sobald die Transition einsetzt und die Köpfe trocken werden, dürfte der Ball für viele Spielertypen zu stark werden und zu früh brennen, was den Carry negativ beeinflussen könnte. Er ist das Werkzeug, um die Bahn zu "lesen" und eine Linie zu etablieren. Technisch versierte Bowler können die Oberfläche natürlich anpassen; ein Polieren der Schale würde den Ball vermutlich vielseitiger für Medium-Öl-Bedingungen machen, wobei sein Kerncharakter als asymmetrisches Schwergewicht erhalten bliebe. Zusammenfassend ist der Ultimate Defender als "Benchmark-Ball" für schwere Bedingungen konzipiert, der Sicherheit im Öl mit einem kraftvollen Hook im Backend verbinden soll.