Erste Eindrücke
Der Brunswick Tenacity wurde im Januar 2018 als neues Flaggschiff für die Long-and-Strong-Kategorie eingeführt und zieht mit seiner Farbkombination aus Schwarz, Silber und Purpur-Pearl die Blicke auf sich. Im Inneren setzt Brunswick auf den asymmetrischen Tenacity-Kern, der mit einem RG-Wert von 2,503 und einem hohen Differential von 0,052 (bei 15 Pfund) auf maximale Dynamik ausgelegt ist. Die Besonderheit liegt im Intermediate Differential von 0,018, das eine spürbare Asymmetrie ohne übermäßige Unberechenbarkeit bietet. Umhüllt wird dieser Kern von der UR (Ultra Responsive) Pearl Oberfläche. Diese Materialmischung wurde speziell entwickelt, um die Reibung in der Front extrem niedrig zu halten und erst beim Kontakt mit trockenen Leisten am Ende der Bahn schlagartig zu reagieren. Der Ball wird werkseitig mit einem 500 Siaair Finish und dem Crown Factory Compound poliert, was seine aggressive Backend-Charakteristik unterstreicht.
Vergleichsanalyse
Im Vergleich zum Brunswick Kingpin, der als massiver Solid-Ball für schweres Öl konzipiert ist, bietet der Tenacity eine deutlich längere Gleitphase und einen wesentlich eckigeren Richtungswechsel am Breakpoint. Während der Kingpin die Midlane kontrolliert, ist der Tenacity darauf getrimmt, die Energie für eine explosive Bewegung in die Gasse zu speichern. Stellt man ihn neben den Storm Phaze II, wird der Unterschied zwischen symmetrischer Kontrolle und asymmetrischer Aggressivität deutlich: Der Tenacity gleitet weiter durch die Front und erzeugt einen steileren Eintrittswinkel. Verglichen mit dem Brunswick Magnitude 035 Pearl bietet der Tenacity aufgrund seines asymmetrischen Kerns und der kräftigeren Schale deutlich mehr Gesamt-Hook und eine stärkere Reaktion auf Friction. Im Vergleich zum DV8 Creed Revelation zeigt der Tenacity eine ähnliche Skid/Flip-Charakteristik, wirkt jedoch in der Fortsetzung durch die Pins etwas kontinuierlicher.
Praktische Anwendung
Der Brunswick Tenacity ist die ideale Wahl für mittlere Ölbedingungen, wenn eine lange Gleitphase und ein heftiger Backend-Snap gefordert sind. Er soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn die Front der Bahn bereits angegriffen ist und matte Bälle zu früh reagieren oder an Energie verlieren. Durch seine asymmetrische Kernstruktur bietet er genügend Stabilität, um auch bei weiteren Spielwegen über viele Leisten hinweg den Kontakt zur Bahn nicht zu verlieren. Er ist besonders für Spieler geeignet, die einen hohen Eintrittswinkel suchen, um den Carry bei schwierigen Pin-Konstellationen zu optimieren. Auf typischen Haus-Systemen (THS) ermöglicht der Tenacity ein sehr aggressives Spiel von innen nach außen, wobei er seine volle Stärke ausspielt, sobald er die trockene Zone am Ende der Ölstraße erreicht. Für sehr kurzes Öl oder extrem trockene Bahnen könnte die Backend-Reaktion jedoch zu gewaltig sein, weshalb er seine beste Leistung auf frischen bis moderat abgespielten Medium-Pattern abruft.