Erste Eindrücke
Der Hammer Taboo Blue/Silver wurde im September 2011 als Ergänzung der erfolgreichen Taboo-Serie auf den Markt gebracht. Optisch besticht der Ball durch eine auffällige Farbkombination in Electric Blue und Silver. Das Herzstück dieses Modells ist der asymmetrische Gas Mask Kern, der sich durch ein RG von 2.50, ein hohes Differential von 0.060 und ein signifikantes intermediäres Differential von 0.016 auszeichnet. Diese Kernstruktur ist darauf ausgelegt, schnell in Rotation zu geraten und ein starkes Ungleichgewicht zu erzeugen, was eine dynamische Bewegung in Richtung Gasse begünstigen soll. Umschlossen wird dieser Kern von dem Grand Theft II Pearl Cover. Interessanterweise wird dieses Pearl-Material ab Werk nicht poliert ausgeliefert, sondern besitzt eine stark angeraute Oberfläche. Die werksseitige Bearbeitung erfolgt stufenweise mit 800 Abranet sowie 1000, 2000 und 3000 Abralon. Diese spezielle Oberflächenbeschaffenheit soll dafür sorgen, dass der Ball trotz der Pearl-Zusätze nicht unkontrolliert durch die Front gleitet, sondern bereits frühzeitig einen stabilen Fußabdruck auf der Bahn hinterlässt. Die Kombination aus einem sehr starken, asymmetrischen Kern und einem aufgerauten Pearl-Cover zielt auf ein Laufverhalten ab, das eine ausgeprägte Stabilität im mittleren Bahnbereich mit einer scharfen, aggressiven Richtungsänderung kombiniert. Die technischen Daten deuten darauf hin, dass dieser Ball eine enorme Energie im Kern speichert, um sie am Breakpoint schlagartig freizusetzen.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich mit dem ursprünglichen Hammer Taboo, der ein mattes Solid-Cover nutzt, zeigt der Hammer Taboo Blue/Silver eine leicht modifizierte Charakteristik auf der Bahn. Während der originale Taboo durch sein starkes Solid-Material etwas früher reagiert und eine eher bogenförmige, kontinuierliche Bewegung erzeugt, nutzt der Blue/Silver sein angerautes Pearl-Cover, um die Energie minimal länger zu halten und dann eine schärfere Richtungsänderung am Breakpoint zu vollziehen. Zieht man als markenübergreifende Referenz den Storm Phaze II heran, werden die Unterschiede zwischen starken asymmetrischen Pearl-Bällen und etablierten symmetrischen Solid-Bällen deutlich. Der Storm Phaze II bietet ein wesentlich gleichmäßigeres und vorhersehbareres Laufverhalten, da sein symmetrischer Kern in Verbindung mit der matten Oberfläche eine extrem stetige Traktion aufbaut. Der Hammer Taboo Blue/Silver hingegen agiert in der Front etwas zurückhaltender, reagiert dann aber bei Kontakt mit der ersten Friction wesentlich explosiver und winkliger. Verglichen mit einem klassisch polierten Pearl-Ball wie dem Brunswick Melee Jab zeigt der Taboo Blue/Silver aufgrund seiner 3000er Abralon-Oberfläche eine deutlich höhere Stabilität im Öl. Polierte Bälle neigen dazu, auf stark geölten Leisten schnell die Traktion zu verlieren, während der Taboo Blue/Silver durch sein raues Cover einen verlässlichen Hook aufbaut, ohne dass die Gefahr des unkontrollierten Überrutschens besteht. Seine asymmetrische Dynamik macht ihn zu einer durchsetzungsfähigen Option, wenn klare Winkel verlangt werden.
Praktische Anwendung
Der Hammer Taboo Blue/Silver findet seinen idealen Einsatzbereich auf Bahnen mit mittlerem bis hohem Ölvolumen. Die Kombination aus dem kraftvollen Gas Mask Kern und der angerauten Oberfläche erfordert eine gewisse Menge an Öl in der Front, damit der Ball nicht zu früh seine Energie verliert. Spieler mit einer geringeren Rotationsrate profitieren in hohem Maße von der asymmetrischen Bauweise, da der Kern aktiv dabei hilft, den Hook mechanisch zu unterstützen und den Weg in die Gasse abzusichern. Für Spieler mit hoher Ballgeschwindigkeit bietet das raue Cover ausreichend Griffigkeit, um den Ball rechtzeitig im Midlane-Bereich abbremsen zu lassen. Sobald das Ölbild jedoch beginnt sich zu verändern und die unvermeidbare Transition eintritt, kann das starke Cover-Material zu einem Hindernis werden. Wenn die Front abtrocknet, greift der Ball tendenziell zu früh, was dazu führt, dass er am Pin-Deck zu flach einschlägt und der Carry merklich nachlässt. In solchen Situationen ist es meist zwingend erforderlich, auf eine Ausrüstung mit schwächerer, glatterer Oberfläche auszuweichen. Wenn die Bahnbedingungen es verlangen, kann man die Charakteristik des Balls auch anpassen, indem man das Cover nachträglich auf Hochglanz poliert. Dies verlängert die Gleitphase über die vorderen Leisten drastisch und macht ihn für etwas trockenere Bedingungen tauglich. Dennoch bleibt sein primärer Entwicklungszweck die klare Dominanz auf nassen Bahnen, wo er ein hohes Maß an Traktion bietet.