Erste Eindrücke
Der im Jahr 1996 populäre AMF Focus Reactive Blue ist ein klassischer Vertreter der "Entry-Level" Reaktivbälle der mittleren 90er Jahre. Optisch präsentiert er sich in einem tiefen, schimmernden Blau (oft als Pearl-Finish ausgeführt), was ihn von seinem soliden, roten Schwestermodell unterscheidet. Technisch wurde dieser Ball entwickelt, um Freizeitspielern und Einsteigern die Vorteile der Reaktiv-Technologie zugänglich zu machen, ohne die schwer kontrollierbare Aggressivität der High-Performance-Bälle. Im Inneren arbeitet ein traditioneller 3-teiliger Pancake-Gewichtsblock (High RG, Low Differential). Diese Konstruktion sorgt für eine extrem stabile Rotation und minimiertes Flare (Spurversatz). Die Oberfläche besteht aus einer milden Reaktiv-Mischung, die werksseitig poliert ist, um dem Ball zu helfen, mühelos durch die Front (Heads) zu gleiten und erst spät auf die Reibung (Friction) zu reagieren.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum AMF Focus Reactive Red, der bereits früher auf dem Markt war, agiert der Blue spürbar länger und definierter. Während der Focus Red (Solid) früher liest und einen runderen Bogen beschreibt, nutzt der Focus Reactive Blue seine Pearl-Oberfläche für mehr "Skid" im vorderen Teil der Bahn und einen etwas zackigeren "Snap" am Breakpoint. Vergleicht man ihn mit den damaligen Top-Modellen wie dem AMF RPM Ultra/C, so ist der Focus Reactive Blue wesentlich zahmer und deckt deutlich weniger Leisten ab. Er spielt in derselben Liga wie der Columbia 300 Scout Reactive oder der Brunswick Rhino Pro Teal: Ein Ball, der Länge generiert und zuverlässig die Gasse findet, ohne bei trockenen Köpfen sofort überzureagieren.
Praktische Anwendung
Der AMF Focus Reactive Blue ist nach heutigen Standards ein absoluter Spezialist für trockene Bahnen oder "verbrannte" Bedingungen (Late Shift). Sein idealer Einsatzbereich liegt vor, wenn stärkere Bälle zu früh Energie verlieren oder unkontrollierbar durch die Nase gehen. Durch den schwachen Kern und die polierte Schale ignoriert er das Öl in der Front fast vollständig. Er eignet sich hervorragend für Einsteiger, die das Haken-Spiel erlernen wollen, da er Fehler in der Abgabe verzeiht, oder für fortgeschrittene Spieler als "Strike-Ball für die Wüste", wenn im Spätbetrieb kaum noch Öl auf der Bahn liegt. Für schweres Öl ist er gänzlich ungeeignet, da er dort meist geradeaus rutschen würde (Skid) und keine ausreichende Energieübertragung (Carry) entwickelt.