Erste Eindrücke
Der Hammer Envy Tour Pearl, veröffentlicht im September 2023, präsentiert sich optisch in einer auffälligen, silbernen Chrome-Farbgebung, die auf den Bahnen sofort ins Auge sticht. Technisch basiert dieser Ball auf einer bewährten Kombination, die jedoch durch moderne Chemie erweitert wurde. Im Inneren arbeitet der Obsession Tour Kern, eine asymmetrische Konstruktion, die sich durch sehr spezifische Kennzahlen auszeichnet: Mit einem niedrigen RG-Wert von 2.469 und einem vergleichsweise niedrigen Differential von 0.034 (bei 15 lbs) weicht dieser Kern von den typischen, aggressiven asymmetrischen Designs ab. Umhüllt wird dieser Kern von der HK22 - Envy Pearl Oberfläche. Diese chemische Zusammensetzung, angereichert mit der HyperKinetic22-Technologie, soll für eine verbesserte Transparenz der Schale und eine responsivere Reaktion auf Friction sorgen. Die werksseitige Bearbeitung mit 500, 1000 und 1500 Siaair Micro Pads, gefolgt von Crown Factory Compound, verleiht dem Ball einen deutlichen Glanz, der ihm helfen dürfte, sauber durch die Front der Bahn zu gleiten. Die Kombination aus einem kontrollorientierten Kern und einer modernen, reaktionsfreudigen Pearl-Hülle zielt darauf ab, eine Lücke zwischen reinen Benchmark-Bällen und aggressiven Backend-Monstern zu schließen.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum ursprünglichen Hammer Envy Tour (Solid) zeigt sich die Pearl-Version deutlich länger in der Phase des Gleitens. Während die Solid-Variante dafür bekannt ist, sehr früh zu lesen und eine extrem runde, fast schon sanfte Bewegung zu erzeugen, nutzt der Envy Tour Pearl die HK22-Basis, um Energie besser zu speichern und weiter hinten auf der Bahn freizusetzen. Er dürfte daher eine eckigere Bewegung als sein Vorgänger bieten, ohne jedoch die Unberechenbarkeit mancher "Skid-Flip"-Bälle aufzuweisen. Vergleicht man ihn mit Bällen anderer Hersteller, wie etwa dem IQ Tour von Storm, so positioniert sich der Envy Tour Pearl durch seine Asymmetrie als eine stärkere, etwas komplexere Alternative, die mehr Drehmoment im Kern bietet, aber eine ähnliche Philosophie der Kontrollierbarkeit verfolgt. Gegenüber extrem starken Asymmetrics wie dem Black Widow 2.0 Hybrid von Hammer wirkt der Envy Tour Pearl vermutlich zahmer und berechenbarer, da das niedrige Differential das Flare-Potenzial bewusst begrenzt. Dies unterscheidet ihn auch von Bällen wie dem Attention Star von Roto Grip, der in der Regel eine dynamischere Richtungsänderung anstrebt. Der Envy Tour Pearl ist somit als Ergänzung konzipiert: Wenn der Envy Tour Solid zu früh an Energie verliert oder zu "flach" in die Gasse läuft, soll die Pearl-Version den nötigen Längengewinn und einen definierteren Eintrittswinkel bieten, ohne die Grundcharakteristik der "Tour"-Linie – nämlich Vorhersehbarkeit – aufzugeben.
Praktische Anwendung
Das ideale Einsatzszenario für den Hammer Envy Tour Pearl findet sich vorwiegend auf Medium-Oil-Bedingungen oder wenn die Transition auf der Bahn bereits eingesetzt hat. Durch den Compound-Finish und die Pearl-Schale ist er prädestiniert dafür, eingesetzt zu werden, wenn stärkere Solid-Bälle beginnen, zu früh zu haken und Energie zu verlieren, bevor sie die Pins erreichen. Für Spieler mit höherer Rev-Rate könnte dieser Ball eine der wenigen asymmetrischen Optionen sein, die sie auch auf etwas trockeneren Bahnen kontrollieren können, da der Kern nicht dazu neigt, übermäßig zu flaren und somit die Linie zu früh zu verlassen. Stroker oder Spieler mit weniger Handrotation könnten von der Unterstützung des asymmetrischen Kerns profitieren, um Carry zu erzeugen, sollten jedoch beachten, dass die glatte Oberfläche eventuell Anpassungen erfordert, wenn zu viel Öl auf der Bahn liegt. Taktisch klug eingesetzt, ermöglicht dieser Ball das Öffnen der Winkel: Man kann weiter links stehen (bei Rechtshändern) und den Ball über mehr Leisten spielen, da die HK22-Hülle in der Reibung schnell reagiert, der Kern aber verhindert, dass die Bewegung unkontrollierbar wird. Er dient somit als hervorragender "Step-Down"-Ball nach den ersten Spielen einer Serie oder als erste Wahl auf Bahnen mit sauberen Backends aber angegriffenen Heads.