Erste Eindrücke
Der Columbia 300 Chaos, veröffentlicht im Januar 2019, sorgte bei seinem Erscheinen für Aufsehen, da er technische Spezifikationen eines High-End-Balls in das mittlere Preissegment brachte. Optisch ist der Ball kaum zu übersehen: Die "Green Envy" Farbgebung (eine Mischung aus leuchtendem Limettengrün und Schwarz) sticht auf der Bahn sofort hervor. Die Oberfläche ist werkseitig mit einem rauen 500/2000 Abralon Finish versehen, was sofortige Griffigkeit signalisiert. Technisch wird der Ball vom symmetrischen Chaos Core angetrieben. Dieser Kern liefert bei 15 lbs einen sehr niedrigen RG-Wert von 2.48 und ein massives Differential von 0.054. Diese Werte sind typischerweise eher in der höchsten Preisklasse zu finden und deuten auf einen Ball hin, der extrem früh rotiert ("rev up") und ein gewaltiges Flare-Potential besitzt. Umhüllt wird dieser kraftvolle Motor von der Exciter Solid Reactive Schale. Diese Kombination aus mattem Solid-Cover und einem niedertourigen, stark flarende Kern zielt eindeutig auf maximale Traktion im Öl und eine schwere Rollphase ab.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum Marktstandard für symmetrische Solid-Bälle, dem Storm Phaze II, zeigt der Columbia 300 Chaos eine erstaunliche Parität in der Gesamtstärke, wirkt aber oft noch einen Tick aggressiver in der Richtungsänderung. Während der Phaze II für seine extrem runde und vorhersehbare Bewegung bekannt ist, nutzt der Chaos sein höheres Differential (0.054 vs. 0.051 beim Phaze II), um etwas mehr Backend-Bewegung zu generieren, ohne die Stabilität in der Midlane zu opfern. Vergleicht man ihn mit dem Ebonite Game Breaker 3, einem weiteren Klassiker in diesem Segment, so ist der Chaos deutlich stärker. Er liest das Öl früher und deckt mehr Leisten ab als der GB3. Gegenüber dem hauseigenen Columbia 300 Savage (der asymmetrisch ist) bietet der Chaos eine fließendere Bewegung am Breakpoint. Der Savage knickt schärfer ab und ist definierter, während der Chaos einen kontinuierlichen Bogen beschreibt, der Fehler im Abgabewinkel besser kaschiert.
Praktische Anwendung
Der Columbia 300 Chaos ist prädestiniert für mittlere bis schwere Ölmuster und dient hervorragend als aggressiver Benchmark-Ball. Er ist die erste Wahl, um auf frischen Hausmustern die Bahn zu lesen, da er dank der 2000er Oberfläche nicht über das Öl rutscht ("Skid"), sondern frühzeitig Traktion aufbaut. Seine Stärke liegt in der Mitte der Bahn: Er stabilisiert den Lauf, bevor er die Gasse trifft, was ihn sehr kontrollierbar macht. Er eignet sich besonders für Spieler, die Hilfe benötigen, um den Ball früh ins Rollen zu bringen (Speed Dominant), oder für Situationen, in denen schwächere Bälle zu weit rutschen. Auf trockenen Bahnen oder wenn die Fronten bereits verbrannt sind, ist er jedoch weniger effektiv, da er zu viel Energie auf den ersten Metern verlieren würde und kraftlos an den Pins ankommt. Er ist ein "Arbeitspferd" für Volumen, das durch die Pins walzt statt zu schnappen.