Erste Eindrücke
Der Hammer Black Pearl Urethane präsentiert sich als direkte Antwort auf die veränderten Materialregularien im professionellen Bowlingsport und stellt eine signifikante Weiterentwicklung im Segment der Urethan-Bälle dar. Optisch in einem tiefen, schimmernden Schwarz gehalten, wirkt der Ball auf der Bahn äußerst klassisch und unaufgeregt, was seine primäre Aufgabe der Kontrolle unterstreicht. Im Inneren verbirgt sich der bewährte LED-Kern, der bereits im legendären Purple Pearl Urethane von Hammer zum Einsatz kommt und als einer der erfolgreichsten Kerne der modernen Bowlinggeschichte gilt. Dieser symmetrische Kern zeichnet sich bei einem Gewicht von 15 lbs durch ein hohes RG von 2.650 und ein sehr niedriges Differential von 0.015 aus. Diese Kennzahlen deuten technisch darauf hin, dass der Ball bestrebt ist, Energie lange zu speichern und eine extrem stabile Flugbahn ohne hektische Bewegungen zu erzeugen. Die entscheidende Neuerung liegt jedoch in der Oberfläche. Um den PBA-Regularien zu entsprechen, die eine Mindesthärte von 78D vorschreiben, nutzt Hammer hier die neue Urethane Pearl 78D Mischung. Da eine härtere Schale physikalisch bedingt weniger Reibung auf der Bahn erzeugt, wird der Black Pearl Urethane werksseitig mit einem sehr rauen 500 Siaair Micro Pad Finish ausgeliefert. Diese aggressive Oberflächenbearbeitung soll kompensieren, dass das Material selbst weniger griffig ist als traditionelle, weichere Urethan-Mischungen. Das Zusammenspiel aus dem extremen 500er-Schliff und dem harten Coverstock zielt darauf ab, eine Ballreaktion zu erzeugen, die zwar früh liest, aber dennoch genügend Länge durch die Front bietet, um nicht sofort Energie zu verbrennen. Es handelt sich hierbei um echtes Urethan, nicht um eine Urethan-Imitation, was für die typische, bogenförmige Bewegung ohne abrupten Richtungswechsel am Ende des Ölmusters sorgen dürfte.
Vergleichsanalyse
Ordnet man den Hammer Black Pearl Urethane in das bestehende Arsenal ein, so ist der direkte Vergleich zum Purple Pearl Urethane von Hammer unvermeidbar und am aufschlussreichsten. Während beide Bälle denselben LED-Kern teilen, führt die härtere 78D-Schale des Black Pearl dazu, dass dieser Ball spürbar sauberer durch die Front laufen sollte als sein violetter Vorgänger. In der Gesamtbewegung dürfte der Black Pearl Urethane etwa drei bis vier Leisten weniger Gesamthook generieren. Er agiert somit nochmals defensiver und kontrollierter. Wo der Purple Pearl gelegentlich noch eine überraschend starke Reaktion im Backend zeigen kann, bleibt der Black Pearl seiner Linie treu und bietet eine noch flachere Bewegung zur Gasse. Dies macht ihn zu einer logischen Abstufung, wenn der Purple Pearl zu früh anspringt oder zu viel Gesamtbewegung erzeugt. Ein weiterer wichtiger Vergleichspunkt ist der NU Blue Hammer von Hammer. Hier ist die Unterscheidung technologisch essentiell: Während der NU Blue ein Reaktivball ist, der versucht, die Bewegung von Urethan zu imitieren ("Not Urethane"), ist der Black Pearl echtes Urethan. Dies manifestiert sich darin, dass der Black Pearl Urethane die Bahn tendenziell früher lesen sollte als der NU Blue, da echtes Urethan bereits im Öl eine gewisse Traktion aufbaut, während der NU Blue stärker auf trockene Bereiche angewiesen ist. Im Vergleich zu stärkeren Urethan-Optionen anderer Hersteller, wie etwa dem Pitch Black von Storm, dürfte der Black Pearl durch seine Pearl-Komponente und den LED-Kern dennoch etwas mehr Länge bieten und die Energie einen Hauch besser durch die Pins bringen, wenngleich er nicht für explosive Pin-Action konzipiert ist, sondern für reine Kontrolle.
Praktische Anwendung
Der ideale Einsatzbereich des Hammer Black Pearl Urethane liegt auf schwierigen Bahnbedingungen, die maximale Kontrolle erfordern. Er ist prädestiniert für kurze Ölmuster, auf denen Reaktivbälle zu heftig reagieren würden, oder für extrem trockene Bahnen, auf denen selbst schwache Reaktivbälle schwer in der Gasse zu halten sind. Für Spieler mit hoher Umdrehungszahl, die gerne die Außenleisten bespielen, könnte dieser Ball ein unverzichtbares Werkzeug sein, um die erste Phase der Bahnüberquerung stabil zu gestalten. Durch das hohe RG und das niedrige Differential bietet der Ball eine Sicherheit, die bei nervösen Backends Gold wert sein kann. Er glättet die Reaktion auf der Bahn, wenn die "Friction" unberechenbar wird.
In der "Transition", wenn sich das Ölmuster durch das Spiel vieler Teilnehmer verändert und die Fronts trocken werden, könnte der Black Pearl Urethane als Problemlöser fungieren. Er dürfte weniger anfällig für das frühe Einhaken sein als weichere Urethan-Bälle, was dem Spieler erlaubt, länger in derselben Zone zu bleiben, ohne tiefere Anpassungen vornehmen zu müssen. Er ist jedoch kein Ball, den man wählt, wenn man das Feld weit öffnen möchte oder viel Hook benötigt, um die Gasse in einem steilen Winkel zu treffen. Seine Stärke liegt in der direkten Linie und der Vorhersehbarkeit. Man sollte ihn als spezialisiertes Werkzeug betrachten: Er ist nicht der erste Ball, der aus der Tasche kommt, wenn man auf einer frischen Haus-Ölung spielt, aber er ist oft der Retter in der Not, wenn sportliche Bedingungen oder abgespielte Bahnen keine Fehler mehr verzeihen.