Erste Eindrücke
Der AMF Black Ninja, der um 1991/1992 die Bowlingwelt eroberte, markiert einen der wichtigsten technologischen Wendepunkte in der Geschichte von AMF. Optisch präsentiert er sich in einem puristischen, bedrohlichen Schwarz, das nur durch das ikonische goldene Ninja-Logo gebrochen wird. Technisch war dieser Ball AMFs Antwort auf die beginnende Reaktiv-Revolution. Im Inneren arbeitet der bahnbrechende Ninja-Kern (oft als Shredder- oder High-Density-Block bezeichnet), der sich fundamental von den damals üblichen Pancake-Kernen unterschied. Dieser Kern erzeugt ein für die damalige Zeit hohes Differential, was dem Ball erlaubt, signifikantes Flare (Spurversatz) zu generieren. Die Oberfläche besteht aus einer hochentwickelten Urethan-Mischung, die bereits erste Additive der Reaktiv-Chemie enthielt, um auf den damals noch stark geölten Holzbahnen mehr Reibung (Friction) zu erzeugen als herkömmliches Urethan.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zu seinem geistigen Vorgänger, dem AMF Black Cobra, spielt der Black Ninja in einer völlig anderen Liga bezüglich der Dynamik. Während der Cobra noch stark auf die Oberfläche angewiesen war und einen ruhigen Bogen lief, generiert der Ninja durch seinen Kern wesentlich mehr Einschlagskraft und Winkel im Backend. Vergleicht man ihn mit dem NuLine X-Calibur (dem Pionier der Reaktiv-Bälle jener Zeit), so galt der Black Ninja als etwas kontrollierbarer und weniger "sprunghaft". Der X-Calibur hatte oft einen extremeren Skid-Flip-Effekt, während der Ninja einen schwereren, kraftvolleren Roll zur Gasse bot. Gegenüber dem später erschienenen AMF Sumo wirkte der Ninja länger und eckiger; der Sumo war eher für frühes Rollen und massives Ölverdrängen bekannt.
Praktische Anwendung
In seiner Blütezeit Anfang der 90er Jahre war der AMF Black Ninja ein High-Performance-Ball für schweres Öl. Aus heutiger Sicht hat sich sein Einsatzgebiet verschoben: Er ist ein exzellentes Werkzeug für Medium- bis Dry-Conditions oder kurze Sportölmuster. Seine Stärke liegt in der Kombination aus der Gutmütigkeit von Urethan und der Dynamik eines echten Kerns. Er ist ideal für Spieler, die auf trockenen Bahnen (Late Shift) spielen müssen, aber denen ein reiner Plastikball zu wenig Arbeit leistet und moderne Reaktiv-Bälle zu aggressiv springen. Der Ninja liest die Bahn verlässlich, bestraft Überrotation nicht sofort mit einem "Gutter Ball" und bietet dennoch genug Energieübertrag (Carry), um auch bei leichten Treffern die Pins zu mischen.