Erste Eindrücke
Der im Jahr 1986 veröffentlichte AMF Black Cobra gilt als einer der wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung moderner Bowlingbälle und als direkter Nachfolger der legendären Angle-Serie. Optisch präsentiert sich der Ball in einem tiefen, kompromisslosen Schwarz, akzentuiert durch das ikonische goldene Kobra-Logo. Technisch markierte er einen entscheidenden Fortschritt gegenüber den bis dahin üblichen Urethan-Bällen: Während die Angle-Serie noch weitgehend auf einfachen Pancake-Gewichtsblöcken basierte, implementierte AMF im Cobra einen modifizierten Kern mit veränderter Dichte. Diese Innovation zielte darauf ab, das größte Problem der frühen Urethan-Ära zu lösen – die mangelnde Einschlagskraft (Carry) in der Gasse. Die Oberfläche besteht aus einer klassischen Urethan-Mischung, die werksseitig geschliffen ist, um eine frühe, stabile Traktion auf der Bahn zu gewährleisten und den "Skid" im Öl zu minimieren.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum AMF Black Angle, dem er technisch nachfolgte, zeigt der Black Cobra eine deutlich verbesserte Dynamik im Pin-Deck. Während der Black Angle oft "flach" ankam und bei nicht perfekten Treffern die Eckpins stehen ließ, generiert der Cobra durch seinen modifizierten Kern mehr Durchzugskraft und mischt die Pins besser auf. Vergleicht man ihn mit seinem größten Rivalen jener Zeit, dem Faball Blue Hammer, so agiert der Black Cobra oft einen Tick früher und runder. Der Blue Hammer bot etwas mehr "Snap" am Breakpoint, während der Black Cobra für seinen extrem gleichmäßigen, fast unaufhaltsamen Bogen bekannt war. Gegenüber modernen Urethan-Bällen wie dem Storm Pitch Black wirkt der Cobra jedoch zahmer, da er wesentlich weniger Flare (Spurversatz) erzeugt und eine linientreuere, weniger aggressive Bewegung im Backend zeigt.
Praktische Anwendung
Nach heutigen Standards ist der AMF Black Cobra ein Spezialist für trockene Bahnen oder kurze, anspruchsvolle Sportölmuster. Seine Urethan-Oberfläche bietet eine unübertroffene Kontrolle über die Reibung (Friction); er verhindert das Überreagieren auf trockenen Außenleisten, das moderne Reaktiv-Bälle oft unspielbar macht. Er ist die ideale Wahl für Spieler, die eine ruhige, glatte Linie zur Gasse suchen und den Hook-Bogen klein halten wollen. In den 80er Jahren war er ein Ball für schweres Öl, heute dient er exzellent dazu, verbrannte Fronts (Heads) zu überbrücken und kontrolliert in die Pins zu laufen, ohne "durch die Nase" zu gehen. Er verlangt jedoch präzises Spiel, da der Kern weniger Fehlerverzeihung bietet als moderne High-Tech-Konstruktionen.