Erste Eindrücke
Der im Jahr 1984 erschienene AMF Angle Blue ist ein Meilenstein der Bowling-Geschichte und gehört zur legendären Angle-Familie, die den Übergang von Polyester zu Urethan maßgeblich prägte. Optisch besticht der Ball durch sein tiefblaues, mattes Finish. Technisch basiert er auf einer frühen, speziellen Urethan-Mischung, die darauf ausgelegt war, die Bahnbedingungen der Mitte der 80er Jahre zu meistern. Im Inneren verbirgt sich ein klassischer Pancake-Gewichtsblock, der für eine sehr stabile, kontrollierte Rotation sorgt. Mit einem bauartbedingt hohen RG und einem minimalen Differential erzeugt der Ball kaum Flare. Die Oberfläche wurde werksseitig geschliffen, was ihm eine charakteristische Griffigkeit verleiht, die im Vergleich zu den damals üblichen Kunststoffbällen eine völlig neue Art der Traktion auf dem Ölfilm ermöglichte.
Vergleichsanalyse
Innerhalb der Angle-Serie von 1984 nimmt der Blue Angle eine mittlere Position ein. Im direkten Vergleich zum AMF Black Angle, der als das aggressivste Modell der Reihe für schweres Öl galt, bietet der Blue Angle etwas mehr Länge durch die Front. Er liest die Bahn nicht ganz so früh wie der Black Angle, ist aber deutlich griffiger als der AMF Grey Angle oder der spätere Gold Angle. Vergleicht man ihn mit einem modernen Urethan-Ball wie dem Hammer Black Urethane, so fehlt dem Blue Angle die Motorik eines dynamischen Kerns; seine Bewegung ist rein oberflächengesteuert. Im Gegensatz zu den damals konkurrierenden Polyester-Bällen von Columbia 300 bietet der Blue Angle jedoch einen wesentlich konstanteren Bogen und verringert das Rutschen in der Gasse (Squirt) erheblich.
Praktische Anwendung
Der AMF Angle Blue ist der Inbegriff von Kontrolle. In seiner Blütezeit war er der Standard-Ball für Medium-Bedingungen, heute ist er ein exzellentes Spezialwerkzeug für extrem trockene Bahnen oder sehr kurze Sportmuster. Da die Urethan-Oberfläche die Reibung (Friction) sehr gleichmäßig verarbeitet, gibt es keine abrupten Richtungsänderungen oder böse Überraschungen am Breakpoint. Er ist ideal für Spieler, die eine "Old School"-Linie bevorzugen und den Ball mit konstanter Geschwindigkeit direkt in die Gasse rollen wollen. Aufgrund des fehlenden Flare-Potenzials und des Pancake-Kerns ist das Carry-Potenzial bei modernen Pin-Deck-Konfigurationen begrenzt, weshalb er heute oft als hochwertiger Spare-Ball oder für "Wüsten-Bedingungen" genutzt wird, bei denen selbst schwächste Reaktiv-Bälle zu viel Hook entwickeln würden.