Erste Eindrücke
Der um 1990/1991 populäre AMF Ammo ist ein technischer Zeitzeuge des Übergangs von der klassischen Urethan-Ära zur modernen Balltechnologie. Optisch tritt der Ball meist in einem düsteren "Gunsmoke" oder Schwarz auf, akzentuiert durch ein leuchtendes Neon-Logo (oft Orange), das den aggressiven Marketing-Anspruch der damaligen Zeit unterstreicht. Im Inneren arbeitet der M90 High Torque Weightblock. Dies ist eine Weiterentwicklung der klassischen 3-teiligen Konstruktion (Pancake), bei der die Gewichtsverteilung modifiziert wurde, um mehr Dynamik zu erzeugen als herkömmliche Polyester- oder Standard-Urethanbälle. Die Hülle besteht aus einer speziellen Mischung, die AMF als "Gunpowder Urethane" vermarktete. Diese Oberfläche wurde entwickelt, um Reibung zu erzeugen, aber gleichzeitig länger Energie zu speichern als die frühen Urethan-Generationen.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum legendären Vorgänger, dem AMF Black Angle, zeigt der Ammo eine deutlich verzögerte Reaktion. Während der Black Angle (und auch der Gold Angle) dafür bekannt war, extrem früh zu lesen und einen sehr runden, sanften Bogen zu spielen, nutzt der Ammo seine "Gunpowder"-Schale und den M90 Kern, um weiter durch die Front zu gleiten (Skid). Er bietet mehr "Snap" am Breakpoint als ein klassischer Faball Blue Hammer, der eher für seine extrem gleichmäßige, fast schon monotone Kurve berühmt war. Der Ammo versucht, die Lücke zwischen der totalen Kontrolle von Urethan und der nötigen Endphasen-Power (Carry) zu schließen, wirkt dabei aber aus heutiger Sicht natürlich wesentlich zahmer als moderne Reaktiv-Bälle.
Praktische Anwendung
Der AMF Ammo ist nach heutigen Standards ein Spezialist für extrem trockene Bahnen oder kurze Ölmuster. Seine Urethan-Oberfläche verhindert die Überreaktion auf trockenen Außenleisten (Friction), die moderne Reaktiv-Bälle oft unspielbar macht. Er ist ideal für Spieler, die auf "verbrannten" Bahnen die Kontrolle behalten wollen und einen Ball suchen, der die Gasse findet, ohne quer über das ganze Deck zu springen. In seiner Blütezeit Anfang der 90er war er ein High-Performance-Ball für frische Bahnen; heute dient er exzellent als Spare-Ball mit "Sicherheits-Hook" oder als erste Wahl für sehr trockenes Holz, wo er durch den M90 Kern dennoch genug Arbeit am Pin-Deck verrichtet, um die Ecken besser auszuräumen als ein reiner Plastikball.