Erste Eindrücke
Der AMF Angle Plus (oft auch als Black Angle Plus bezeichnet), der in den frühen 90er Jahren noch eine gewichtige Rolle im AMF-Sortiment spielte, stellt eine signifikante technische Weiterentwicklung des legendären Ur-Angle dar. Während die ersten Urethan-Bälle der 80er Jahre meist auf einfachen Pancake-Kernen basierten, implementierte AMF im Angle Plus den "High Density Balance Block" (einen modifizierten, dichteren Gewichtsblock). Diese Veränderung sollte das größte Manko der frühen Urethan-Bälle beheben: die mangelnde Einschlagskraft. Die Oberfläche besteht aus einer verfeinerten Urethan-Formulierung, die werksseitig geschliffen ist, um frühzeitige Traktion zu gewährleisten. Optisch bleibt der Ball dem klassischen, puristischen Schwarz treu, signalisiert aber durch die technische Bezeichnung "Plus" den Anspruch auf mehr Hook-Potenzial und ein verbessertes Durchsetzungsvermögen im Pin-Deck.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum originalen AMF Black Angle (Pancake Core) zeigt der Angle Plus eine deutlich dynamischere Bewegung. Wo der Ur-Angle oft "tot" in die Gasse lief und bei nicht perfekt sitzenden Treffern die Eckpins stehen ließ, generiert der Angle Plus durch den High-Density-Kern mehr Rotation und Energieübertrag (Carry). Vergleicht man ihn mit seinem damaligen Hauptkonkurrenten, dem Faball Blue Hammer, so agiert der Angle Plus ähnlich früh und kontrolliert, bietet aber eine etwas weichere Urethan-Reaktion, die ihn weniger anfällig für "Over-Hook" auf sehr trockenen Außenleisten macht. Gegenüber modernen Urethan-Bällen wie dem Storm Pitch Black fehlt ihm jedoch die Komplexität moderner Kerne; seine Bewegung ist linearer und weniger "snappy" am Breakpoint.
Praktische Anwendung
Aus heutiger Sicht ist der AMF Angle Plus ein exzellentes Werkzeug für trockene Bahnen oder kurze Sportölmuster ("Short Oil"). Seine Urethan-Oberfläche glättet die nervöse Reaktion, die moderne Reaktiv-Bälle auf abgenutzten Bahnen (Friction) zeigen, und ermöglicht eine kontrollierte Annäherung an die Gasse. Er ist ideal für Spieler, die den Ball gerne gerade an der Kante spielen und sich darauf verlassen müssen, dass der Ball nicht unkontrollierbar durch die Nase geht. In seiner ursprünglichen Zeit (1991) war er ein Allrounder für mittleres Öl; heute dient er primär als "Sicherheitsball" für schwierige, trockene Bedingungen oder als sehr griffiger Spare-Ball für fortgeschrittene Spieler.