Erste Eindrücke
Der Hammer Spike Orange/Blue wurde im Juli 2013 auf den Markt gebracht und bildet einen markanten Grundstein der etablierten Spike-Serie. Optisch fällt der Ball durch seine auffällige Farbgebung in Blau und Orange sofort ins Auge. Im Inneren arbeitet der symmetrische Nasty Kern, der ein hohes RG von 2.56 und ein sehr kräftiges Differential von 0.054 aufweist. Diese spezifische Gewichtsverteilung ist darauf ausgelegt, mechanisch erst sehr spät in Rotation zu geraten, dann aber ein massives Flare-Potenzial aufzubauen. Umschlossen wird dieser Kern von dem GTR III Hybrid Coverstock. Diese Schale kombiniert die Eigenschaften von Solid- und Pearl-Materialien und basiert technologisch auf der bewährten Cover-Mischung der leistungsstarken Taboo-Serie. Ab Werk ist die Oberfläche stufenweise mit 800 Abranet sowie 1000 und 2000 Abralon angeraut, bevor sie mit der Powerhouse Factory Finish Polish auf Hochglanz gebracht wird. Diese glatte Bearbeitung soll in Verbindung mit dem hohen RG garantieren, dass der Ball völlig mühelos durch die Front gleitet und keine vorzeitige Energie verliert. Sobald der Ball das Ende des Ölmusters erreicht, entfaltet der dynamische Kern seine Kraft und erzeugt eine aggressive, aber dennoch kontrollierbare Bewegung in Richtung Gasse. Das direkte Zusammenspiel aus poliertem Hybrid-Cover und spät rollendem Kern zielt auf ein sehr sauberes Gleitverhalten mit einer winkligen Endreaktion ab.
Vergleichsanalyse
In der direkten Gegenüberstellung mit dem später erschienenen Hammer Spike Black/Blue, der ein reines Pearl-Cover nutzt, zeigt die Orange/Blue-Hybrid-Variante ein etwas ausgewogeneres Laufverhalten. Während der Black/Blue primär für einen extrem scharfen Skid-Flip-Effekt konzipiert ist, liest das Hybrid-Cover des Orange/Blue die Bahn einen Hauch früher und erzeugt eine bogenförmigere, kontrolliertere Endbewegung. Zieht man als markenübergreifende Referenz einen etablierten Benchmark-Ball wie den Storm Phaze II heran, werden die enormen Unterschiede in der Konstruktionsphilosophie deutlich. Der Storm Phaze II gräbt sich mit seiner matten Solid-Schale und einem wesentlich niedrigeren RG extrem früh in das Öl ein, was eine sehr stetige und berechenbare Traktion über die gesamte Bahn erzeugt. Der Hammer Spike Orange/Blue verhält sich auf nassen Leisten hingegen wesentlich passiver und spart seine Kraft für den Kontakt mit der ersten Friction am Rand des Ölbildes auf. Im Vergleich zu schwächeren, symmetrischen Einsteigerbällen wie dem Brunswick Rhino zeigt der Spike Orange/Blue dank seines extrem hohen Differentials eine wesentlich aggressivere Aufstelldynamik und einen deutlich markanteren Hook, sobald er den trockenen Teil der Bahn erreicht. Seine Stärke liegt darin, Länge zu generieren, ohne im Backend an Durchschlagskraft einzubüßen.
Praktische Anwendung
Der ideale Einsatzbereich für den Hammer Spike Orange/Blue findet sich auf Bahnen mit mittlerem bis niedrigem Ölvolumen oder auf stark abgespielten Mustern. Die physikalische Konstruktion aus hohem RG und hochglanzpoliertem Cover macht ihn zu einer hervorragenden Wahl, wenn die Leisten in der vorderen Bahnhälfte bereits ausgetrocknet sind und Modelle mit rauen Oberflächen viel zu früh greifen würden. Sobald im Verlauf eines Turniers die unvermeidbare Transition einsetzt und das Öl verschleppt wird, erlaubt dieser Ball es dem Spieler, die eigene Linie tief nach innen zu verlagern. Die saubere Gleitphase stellt sicher, dass die Rotationsenergie tief im Kern bewahrt und erst im Backend schlagartig freigesetzt wird, was zwingend für einen exzellenten Carry am Pin-Deck erforderlich ist. Spieler mit etwas niedrigeren Ballgeschwindigkeiten profitieren stark von der natürlichen Länge, da der Ball nicht ungewollt früh in den Hook übergeht und dadurch Kraft verliert. Auf frisch geölten oder extrem nassen Mustern stößt der Ball jedoch an seine Grenzen, da die polierte Hybrid-Schale im dichten Öl nicht ausreichend Halt findet und der Ball leicht über den Breakpoint hinaus rutscht, was zu schwachen Einschlägen führt. Er ist somit ein Spezialist für mittlere Bedingungen, wenn späte Reaktionen und saubere Längen gefordert sind.