Erste Eindrücke
Der Brunswick Rhino markiert den Einstieg in die High-Performance-Welt von Brunswick und wurde im Mai 2016 als Nachfolger etablierter Einsteiger-Linien eingeführt. Das Herzstück dieses Balls bildet der bewährte "Light Bulb" Kern, eine symmetrische Glühbirnen-Form, die historisch für ihre Verlässlichkeit bekannt ist. Mit einem RG-Wert von 2.524 (bei 15 lbs) gehört er zu den Bällen mit höherem Trägheitsmoment, was physikalisch bedingt für eine einfache Länge durch die Front der Bahn sorgen soll. Kombiniert wird dieser Kern mit der R-16 Reactive Oberfläche. Diese spezielle Coverstock-Formulierung wurde entwickelt, um die Lücke zwischen reinen Polyesterbällen (Plastik) und aggressiveren Reaktiv-Bällen zu schließen. Das Differential von 0.030 deutet auf ein niedriges bis mittleres Flare-Potenzial hin. Optisch präsentieren sich die Modelle dieser Serie meist mit einem werksseitigen Hochglanz-Finish (500 Siaair / Royal Compound / Royal Shine), was den Eindruck erweckt, der Ball würde sehr weit gleiten. Das R-16 Material soll jedoch genügend Grundtraktion bieten, um im Vergleich zu Plastikbällen eine deutliche Reaktion am Ende des Ölmusters zu zeigen, ohne dabei empfindlich auf "zerschossene" Köpfe (Heads) zu reagieren.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum Marktsegment zeigt der Rhino eine sehr spezifische Charakteristik. Gegenüber dem "Tropical Surge" von Storm, der oft als direkter Konkurrent gesehen wird, agiert der Rhino tendenziell etwas runder und weicher in der Bewegung. Während der Tropical Surge an der Breakpoint-Zone oft eine zackigere Reaktion zeigt, bietet der Rhino einen homogeneren Bogen zur Gasse. Vergleicht man ihn mit der "Hustle"-Serie von Roto Grip (z.B. Hustle RIP oder M-M), so ist der Rhino in der Gesamthakenstärke meist etwas schwächer einzustufen. Die Hustle-Bälle besitzen Kerne, die oft etwas früher rollen und mehr Gesamtbewegung generieren. Im Vergleich zu einem reinen Plastikball wie dem Brunswick T-Zone bietet der Rhino jedoch den entscheidenden Vorteil des "Carry": Durch die Reaktiv-Schale und den dynamischen Kern werden die Pins deutlich effektiver gemischt, was die Strike-Wahrscheinlichkeit bei korrekter Gassen-Trefferquote signifikant erhöhen dürfte. Er ist somit ein deutliches Upgrade zu jedem "House Ball". Gegenüber stärkeren Bällen aus dem eigenen Haus, wie etwa der "Raw Hammer" Serie, bleibt der Rhino die kontrollierbarere Option für sehr trockene Bedingungen.
Praktische Anwendung
Das ideale Einsatzgebiet des Brunswick Rhino sind trockene bis mittlere Bahnbedingungen. Er ist prädestiniert für Situationen, in denen die Bahn "verbrannt" ist und stärkere Bälle zu früh greifen oder zu viel Energie verlieren, bevor sie die Pins erreichen. Für Einsteiger, die ihren ersten eigenen Reaktiv-Ball kaufen, stellt der Rhino eine hervorragende Lernplattform dar. Er verzeiht Fehler bei der Ballabgabe eher als High-Performance-Bälle und hilft dem Spieler, die Grundlagen von Hook und Rotation zu verstehen, ohne von einer überaggressiven Back-End-Reaktion überfordert zu werden. Für fortgeschrittene Sportbowler hat der Ball einen festen Platz im Arsenal als "Burner"-Option. Wenn im späten Turnierverlauf die Front der Bahn kaum noch Öl aufweist (High Friction), ermöglicht der hohe RG-Wert des Rhino, den Ball dennoch sauber durch die ersten Meter zu bekommen. Die Reaktion am Breakpoint ist dabei "smooth" und vorhersehbar, was hilft, die Gasse zu kontrollieren, wenn die Bahnverhältnisse eigentlich schwierig und unruhig (Transition) geworden sind. Er ist weniger geeignet für frische, lange oder volumensstarke Ölmuster, da er hierzu oft über das Öl rutschen würde ("Skid"), ohne genügend Traktion für den Hook aufzubauen.