Erste Eindrücke
Der 900Global Honey Badger Urethane, veröffentlicht im April 2019, markiert eine interessante Abweichung von traditionellen Konstruktionsweisen im Urethan-Sektor. Während klassische Urethan-Bälle meist auf symmetrische Kerne mit niedrigem Differential setzen, kombiniert 900Global hier die bewährte S20 Solid Urethane Oberfläche mit dem dynamischen Grapnel Asymmetric Core. Optisch präsentiert sich der Ball in einem schlichten, tiefen Violett (Purple), das die matte 1000-Grit Abralon Werksoberfläche unterstreicht. Technisch fällt sofort der ungewöhnlich hohe RG-Wert von 2.57 (bei 15 lbs) auf, der in Kombination mit einem mittleren Differential von 0.041 und einem Intermediate Differential von 0.008 arbeitet. Diese Spezifikationen deuten darauf hin, dass der Ball trotz der griffigen Oberfläche bestrebt ist, Länge durch die Front zu generieren, bevor die Asymmetrie im Kern greift. Das "Grapnel" Design, welches bereits im originalen goldenen Honey Badger Verwendung fand, sorgt hier für eine für Urethan untypische Dynamik. Die Haptik der Oberfläche ist extrem rau und verspricht sofortige Traktion, jedoch soll der Kern verhindern, dass die Energie bereits auf den ersten Leisten komplett verpufft. Es handelt sich um ein zweiteiliges Kerndesign (Two-Piece), was oft zu einer direkteren Energieübertragung und verbessertem Carry führt.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich zum Marktführer in diesem Segment, dem Storm Pitch Black, zeigen sich deutliche Unterschiede in der Laufcharakteristik. Der Storm Pitch Black nutzt einen symmetrischen Capacitor Core mit sehr niedrigem Flare-Potential, was zu einer extrem linearen und sanften Bewegung führt. Der Honey Badger Urethane hingegen produziert durch seinen asymmetrischen Kern deutlich mehr Flare auf der Bahn. Das bedeutet, dass immer frische Oberfläche mit der Bahn in Kontakt kommt, was die Friction im hinteren Bereich der Bahn erhöht. Wo der Pitch Black sanft in die Gasse rollt, entwickelt der Honey Badger Urethane einen sichtbaren Bogen und mehr Eintrittswinkel. Vergleicht man ihn mit dem Hammer Purple Pearl Urethane, so liest der Honey Badger Urethane aufgrund seiner Solid-Oberfläche (S20) die Bahn etwas früher als die Pearl-Variante von Hammer. Während der Purple Pearl oft für seine fast reaktive Backend-Reaktion bekannt ist, bietet der Honey Badger Urethane mehr Stabilität im Öl, opfert dafür aber etwas von dem "Snap", den der Hammer generieren kann. Dennoch ist der Honey Badger durch die Asymmetrie kantiger als ein Storm Fever Pitch, der ebenfalls in einem ähnlichen Zeitfenster veröffentlicht wurde und eher für absolute Kontrolle bei sehr trockenen Bedingungen konzipiert ist.
Praktische Anwendung
Der 900Global Honey Badger Urethane ist primär für schwierige Bahnbedingungen konzipiert, insbesondere für kurze Ölbilder und Sport-Pattern, bei denen das Beherrschen der Transition entscheidend ist. Er ist eine exzellente Wahl, wenn reaktive Bälle zu stark auf die Friction am Ende des Ölmusters reagieren und schwer zu kontrollieren sind. Durch den hohen RG-Wert und den asymmetrischen Kern bietet dieser Ball Spielern die Möglichkeit, etwas weiter links zu stehen und die Leisten stärker zu öffnen, als es mit traditionellem Urethan möglich wäre. Er benötigt weniger "direktes" Spiel an der Rinne und erlaubt kleine Fehler im Abgabewinkel, ohne sofort die Gasse zu verpassen. Auf typischen Haus-Ölbildern (House Shots) findet er seinen Platz, wenn die Front bereits trocken gespielt ist oder eine extreme "Wet/Dry"-Wand existiert, die mit reaktivem Material zu Überreaktionen führt. Der Ball bietet genug Hook, um auch bei moderatem Ölvolumen die Pins zu erreichen, sollte aber vermieden werden, wenn viel Öl in der Front liegt, da er dort trotz der matten Oberfläche zu viel Energie verlieren könnte, bevor er die Pins erreicht. Das verbesserte Carry durch das zweiteilige Design ist ein spürbarer Vorteil gegenüber älteren Urethan-Optionen, die oft dazu neigen, Eckpins stehenzulassen.