Erste Eindrücke
Der 900Global Honey Badger Extreme 2024 (Release November 2023) präsentiert sich als eine signifikante Weiterentwicklung innerhalb der beliebten "Badger"-Linie und zielt darauf ab, die Lücke für reaktionsfreudige asymmetrische Bälle auf mittleren Ölvolumen zu schließen. Optisch sticht der Ball sofort durch seine markante Farbgebung in Hunter, Orange und Purple hervor, die ihn auf der Bahn gut sichtbar macht und die Rotation des Kerns für das menschliche Auge leicht nachverfolgbar gestaltet. Im Inneren arbeitet der bewährte Grapnel 2.0 Asymmetric Core. Dieser Kern zeichnet sich durch ein RG von 2.54 (bei 15 lbs) und ein Differential von 0.048 aus, ergänzt durch ein Intermediate Differential von 0.012. Diese technischen Werte deuten bereits darauf hin, dass der Ball darauf ausgelegt ist, die Front sehr sauber zu passieren und seine Energie für das Backend zu bewahren. Die größte technische Neuerung im Vergleich zu direkten Vorgängern wie dem Honey Badger Revival liegt in der Oberfläche. 900Global verwendet hier die S77M Pearl Reactive Coverstock-Mischung. Während ältere Modelle oft auf die S74R-Mischung setzten, soll die S77M-Variante eine etwas modernere chemische Zusammensetzung bieten, die besser auf die heute üblichen dickflüssigeren Öle reagiert, ohne dabei die charakteristische Länge zu verlieren. Das "M" in der Bezeichnung deutet auf eine modifizierte Molekularstruktur hin, die für eine ausgewogene Balance zwischen "Skid" und "Snap" sorgen soll. Ab Werk kommt der Ball mit einem 1500 Grit Polished Finish, was die Intention unterstreicht: Maximale Länge durch die Heads und eine aggressive Reaktion auf Friction am Ende des Bohrmusters.
Vergleichsanalyse
Im direkten Vergleich innerhalb der 900Global-Familie positioniert sich der Honey Badger Extreme 2024 als eine aggressivere, aber dennoch kontrollierbare Alternative zu älteren Pearl-Asymmetrics. Vergleicht man ihn mit dem *Honey Badger Revival* (welcher einen S70 Hybrid Coverstock nutzte), so bietet der Extreme 2024 durch die reine Pearl-Oberfläche (S77M) und die Politur eine nochmals gesteigerte Länge. Er liest die Bahn später als der Revival, generiert dafür aber einen schärferen Eintrittswinkel in die Gasse. Gegenüber stärkeren asymmetrischen Bällen aus dem Storm/Roto Grip/900Global-Verbund, wie etwa dem *Eternity von 900Global* oder dem *Attention Star von Roto Grip*, agiert der Honey Badger Extreme 2024 deutlich schwächer im Öl. Er ist kein Ball für die frische, schwere Ölung, da ihm hierfür die grobe Oberflächenstruktur fehlt. Ein interessanter Vergleich lässt sich zum *Storm Revenant* oder *Spectre* (eingestellt) ziehen. Während diese Bälle oft symmetrische Kerne nutzen, bringt der Honey Badger durch seine Asymmetrie (Grapnel 2.0) eine definiertere Richtungsänderung am Breakpoint. Das niedrige Intermediate Differential von 0.012 sorgt dafür, dass der Ball nicht so früh "aufsteht" wie ein *Reality*, sondern die Asymmetrie primär nutzt, um den Hook-Phase-Übergang (Transition) zu beschleunigen, sobald er auf trockene Leisten trifft. Im Vergleich zu Bällen anderer Hersteller, wie etwa einem *Black Widow Pearl von Hammer*, dürfte der Honey Badger ein etwas höheres RG aufweisen, was ihn noch bereitwilliger durch die vorderen Leisten gleiten lässt, bevor er seine Bewegung startet. Er besetzt damit die Nische eines "Skid-Flip"-Monsters für Situationen, in denen stärkere Bälle zu früh Energie verlieren.
Praktische Anwendung
Das ideale Einsatzszenario für den Honey Badger Extreme 2024 sind Medium- bis Medium-Dry-Bahnbedingungen. Er ist ein klassischer "Transition"-Ball. Wenn im Laufe eines Ligaspiels oder Turniers die "Front" an Öl verliert und die Reibung zunimmt, zwingt dies Spieler oft dazu, weiter nach links zu rücken (bei Rechtshändern) und größere Winkel zu spielen. Genau hier soll der Honey Badger seine Stärken ausspielen. Dank des hohen RG-Wertes ignoriert er frühe Reibung im vorderen Teil der Bahn weitestgehend und speichert seine Rotationsenergie bis zum Backend. Sobald er das Ende des Ölmusters erreicht, sorgt die Kombination aus dem Grapnel 2.0 Kern und der S77M Pearl Oberfläche für eine drastische Richtungsänderung. Dieser "Snap" ist notwendig, um auch aus tiefen Winkeln noch genügend Carry zu erzeugen und die Pins flach zu halten. Für spielstarke Bowler mit hoher Rev-Rate (Drehzahl) bietet der Ball die notwendige Länge, um nicht "auszubrennen", bevor er die Gasse erreicht. Spieler mit niedrigerer Drehzahl oder höherer Ballgeschwindigkeit profitieren hingegen von der Unterstützung des asymmetrischen Kerns, der dem Ball hilft, im richtigen Moment umzuschlagen, auch wenn der Spieler selbst weniger Handrotation erzeugt. Man sollte jedoch beachten, dass der Ball auf sehr frischen oder langen Ölmustern (über 43 Fuß) zu rutschig sein könnte (Over/Under-Reaktion). Seine Domäne ist das aufgebrochene Hausmuster oder Sportmuster, bei denen die Backends definiert und sauber sind. Wer einen Ball sucht, der "die Ecke kriegt", wenn alle anderen Bälle zu früh rollen, findet hier ein passendes Werkzeug.