Erste Eindrücke
Der Brunswick Endeavor, veröffentlicht im Februar 2024, markiert eine interessante technische Entwicklung im Portfolio des Herstellers, da er sich bewusst gegen aktuelle Trends stellt, um eine spezifische Lücke im Ballarsenal zu füllen. Optisch präsentiert sich der Ball in einer Kombination aus Himmelblau und Silber, wobei die Oberfläche mit dem bewährten Crown Factory Compound auf Hochglanz poliert ist. Das Herzstück dieses Balls bildet der neu entwickelte Tiered Hexagon Kern. Dieser symmetrische Kern zeichnet sich durch eine vergleichsweise hohe und schlanke Bauweise aus, was zu einem erhöhten RG-Wert (Radius of Gyration) von 2.540 führt. Dieser technische Wert soll dafür sorgen, dass der Ball extrem sauber und mühelos durch die Front der Bahn gleitet, ohne dabei wertvolle Energie zu früh zu verbrauchen. Eine der bemerkenswertesten Entscheidungen bei der Konstruktion des Endeavor ist die Wahl des Schalenmaterials. Anstatt auf die derzeit omnipräsente HK22-Basis zu setzen, verwendet Brunswick hier den Activator Plus 3.0 Pearl Reactive Coverstock. Diese chemische Zusammensetzung ist vielen Spielern bereits vom Brunswick Attitude bekannt und zielt darauf ab, eine etwas kontrolliertere Reaktion auf Friction zu erzeugen als die oft sehr aggressiven HK22-Mischungen. Mit einem Differential von 0.045 positioniert sich der Kern im mittleren Bereich, was ein ausreichendes Flare-Potenzial bieten sollte, um auch im Backend noch eine deutliche Richtungsänderung zu vollziehen. Die Kombination aus dem hohen RG des Kerns und der glatten 500/1000/1500 Siaair Compound-Oberfläche lässt darauf schließen, dass dieser Ball primär für Länge und eine späte Reaktion konzipiert wurde.
Vergleichsanalyse
Ordnet man den Endeavor in die bestehende Marktlandschaft ein, fällt sofort die Abgrenzung zu den Bällen auf, die die HyperKinetic22 (HK22) Technologie nutzen. Während Bälle mit HK22 oft für eine sehr scharfe, fast sprunghafte Reaktion am Ende des Ölmusters bekannt sind, dürfte der Endeavor mit dem Activator Plus 3.0 Cover eine etwas harmonischere Bewegung bieten. Er verhält sich hierbei voraussichtlich ähnlich wie der Brunswick Attitude, jedoch mit einem durch den neuen Kern leicht veränderten Bewegungsprofil, das etwas mehr Länge generieren könnte. Im direkten Vergleich zur legendären Melee Jab Serie von Brunswick könnte der Endeavor als eine moderne Ergänzung gesehen werden, die ähnliche Benchmark-Qualitäten aufweist, jedoch speziell für Situationen entwickelt wurde, in denen die Melee-Bälle vielleicht schon zu früh anfangen zu arbeiten. Betrachtet man das Angebot anderer Hersteller, lässt sich der Endeavor in einer Kategorie mit Bällen wie dem Hyped Pearl von Roto Grip oder der Vibe Serie von Hammer verorten. Allerdings hebt er sich durch das etwas höhere Differential von vielen typischen Einsteiger-Reaktivbällen ab, was ihm mehr Potenzial für einen kräftigen Hook im Backend verleiht. Im Gegensatz zu stärkeren symmetrischen Bällen wie dem Summit Peak von Storm, sollte der Endeavor deutlich später anlaufen und weniger empfindlich auf frühe Reibung reagieren. Er ist damit kein direkter Konkurrent zu den "High Performance"-Bällen, sondern positioniert sich selbstbewusst im "Mid Performance"-Sektor, wo Verlässlichkeit oft wichtiger ist als maximales Gesamt-Hook-Potenzial.
Praktische Anwendung
Das ideale Einsatzszenario für den Brunswick Endeavor findet sich auf mittleren bis trockenen Bahnbedingungen. Aufgrund seiner technischen Spezifikationen dürfte er besonders dann glänzen, wenn die Bahnen bereits angespielt sind und die sogenannte Transition eingesetzt hat. Wenn stärkere Bälle beginnen, zu früh Energie zu verlieren oder zu aggressiv auf die trockenen Stellen der Bahn reagieren, sollte der Endeavor seine Stärken ausspielen können. Durch den hohen RG-Wert kommt er sehr gut durch die abgespielten Köpfe und bewahrt seine Rotation für das hintere Drittel der Bahn. Dies ist entscheidend, um den richtigen Eintrittswinkel in die Gasse zu gewährleisten und somit den Carry zu optimieren. Für Spieler mit einer niedrigeren Rev-Rate könnte der Ball eine hervorragende Option sein, um auf trockeneren Bahnen zu spielen, ohne die Kontrolle zu verlieren, da der Ball Unterstützung bietet, um weit die Leisten hinunterzuspielen. Spieler mit viel Hand und hoher Drehzahl könnten im Endeavor den perfekten Begleiter für späte Ligadurchgänge oder Turniere finden, wenn sie gezwungen sind, weit nach links zu rücken und viel Winkel zu spielen. Der Ball sollte genügend Skid bieten, um nicht früh "totzulaufen", und dennoch am Breakpoint zuverlässig reagieren. Es ist jedoch zu beachten, dass bei sehr hohem Ölvolumen oder sehr langen Ölmustern die Oberfläche vermutlich zu glatt und der Kern zu träge wäre, um genug Traktion zu erzeugen; hier wären Bälle mit solider Oberfläche oder stärkeren asymmetrischen Kernen vorzuziehen. Der Endeavor ist somit ein Spezialist für das "Late Game", der Stabilität bietet, wenn die Bahn unruhig wird.